Ein paar Tage Byron Bay waren geplant, eine Woche ist draus geworden. Irgendwie sind Boris, Alex und ich da haengen geblieben. Die ersten Tage sind wir zum schlafen immer raus gefahren. Byron Bay ist ein ziemlicher Touristenort, daher gibts da viele Campingplaetze und deshalb ist dort wildes campen ( schlafen im Auto egal wo inklusieve ) auch strikt verboten und wird von der Polizei geahndet. Gekocht haben wir abends immer am Strand auf einem oeffentlichen Grill. Da das umsonst ist wird der Grill auch logischerweise von anderen Backpackern stark frequentiert. So kamen wir mit denen ins Gespraech und erfuhren das es ne Moeglichkeit gibt, umsonst und sicher im Auto in der Stadt zu uebernachten : Durch Byron Bay fuehrte noch bis vor kurzem eine Eisenbahnlinie. Da sich die Strecke fuer die Bahngesellschaft nicht mehr rentierte wurde sie einfach kurzer Hand stillgelegt. Doch das Bahnhoftgebaeude sammt Parkplatz gibts noch. Da die Bahngesellschafft nicht Staatlich ist, ist das Gelaende quasi Privatgelaende. Die Polizei hat da keine Amtsgewalt. Und somit uebernachteten dort jede Nacht zig Leute in ihren meist Bussen oder wie ich und ein paar andere in normalen Autos. Alex hat am Wohenende ueber zwanzig Busse gezaehlt. Die Polizei versucht zwar Neuankoemmlinge mit drohenden Verwarnungsgeldern zu verscheuchen, doch man warnt sich gegenseitig und die Pollente guckt dumm aus der Waesche. Und die Bahnpolizei kommt wegen sowas nicht rausgefahren. Neulich war sogar ein Bericht in der lokalen Zeitung. Mit einem Bild von campenden Jungs die gerade am Auto Grillen oder so ( Ich war da leider mit Volker noch nicht da, schade ). Original Ton aus der Zeitung : "Some local business operators were disgusted by the behavior of the camper...".Das heisst so viel wie: Die umliegenden Ladenbesitzer waren ueber das Verhalten der Camper entsetzt. Da hat wohl gerade einer in einen Busch oder so gepinkelt. Man kann sich auch anstellen...
Ich hab beim letzten Bericht den anstehenden Tagesausflug erwaehnt. Wir drei ( Boris, Alex und ich) sind mit drei anderen aelteren Touris durch das halbe Land gefahren und haben mit dem Fernglas wie auf einer Safari nach wilden Tieren, Kaengurus,Koalas, Voegeln und Delphinen ausschau gehalten. Bis auf die Delphine war das auch sehr

erfolgreich . In der Koalaklinik haben wir uns lange mit den Betreibern unterhalten. Alles sehr interessant, nur sehr viel rennerei, Staendig raus aus dem Bus, rein in den Bus, wieder raus und so weiter...
Nach fuenf Stunden haben wir den Heimweg angetreten und mussten uns doch noch der ueberwaeltigenden Begeisterung unseres Reisefuehrers ergeben und weitere Stopps am Strassenrand machen und Sehenswuerdigkeiten bestaunen. Fuer zwanzig Dollar pro Person fuer fast sechs Stunden Unterhaltung aber echt ein toller Tag.
Naechsten Tag hab ich mir wie angekuendigt ein Surfbrett ausgeliehen und bin mit den Jungs und noch einem Deutschen vom Bahnhofsparkplatz ( Ja hier gibts fast nur deutsche ) zum Strand zum surfen. Die Wellen waren schon nicht ohne. Mir hats aber trotzdem spass gemacht. Zwischendurch hat mich im Wasser ein junger Asiate zusich gewunken. Jedenfalls dachte ich das. Doch ich hab mich getaeuscht da er seine Freunde am Strand meinte. Lange Zeit und eine Pause am Strand spaeter im Wasser hat mich der selbe Typ wieder angewunken. Diesesmal war ich aber wirklich gemeint. Ich bin dann hingepaddelt und da hab ich erst gesehen das der Kerl kein richtiges Surfbrett wie ich, sondern nur ein Buggy-bord beihatte. Das ist viel kleiner und eigentlich nur fuer die Brandungswellen direkt am Strand gedacht. Und wir waren gute zweihundert Meter weg vom Strand. Ausserdem war der Junge voellig von Kraeften. Die Streomung hatte Ihn mitgerissen und er hat schon laengere Zeit vergebens versucht zurueck zu surfen. Alles was ich verstehen konnte war "help me". Ich hab ich dann kurzer Hand auf mein Brett gelegt und gedacht ich paddel uns jetzt einfach zuruck zum Strand. Dankste. Die Wellen wurden hoeher und hoeher und somit auch die Stroemung in Gegenrichtung ( engl. ripp ) wurde immer staerker. Ich hatte keine Uhr bei und kein genaues Zeitgefuehl aber ich hab bestimmt ne halbe Stunde versucht das Surfbrett mit dem fast bewusstlosen Asiaten drauf zum Strand zu schieben. Und wir kamen keinen Meter voran. Mitlerweile schwanden auch meine Kraefte und ich begann mir sorgen zu machen. Die Wellen waren gigantisch. So zwei bis drei Meter. Um mein eigenes Leben hab ich mir noch keine Sorgen gamacht, so fit war ich noch aber der Typ war schon nicht mehr ansprechbar. Also fing ich dann mal Richtung Strand an zu winken. Meine Freunde sassen ja da und warteten auf mich. Irgendwann kam dann ein Typ im Surfanzug zuuns geschwommen, fragte was das Problem ist und half uns. Mann war ich froh. Der hat den Asiaten einfach nach hinten aufs Brett gezogen, sich draufgelegt und ist mit der naechsten grossen Welle bis ins knietiefe Wasser gesurft. Da haette ich auch drauf kommen koennen. Ich bin mit dem kleinen Buggy-bord zurueck zum Sreand gesurft. War ich von der Aktion geschafft. Und einen meiner Ohrringe hab ich dabei auch verlohren. Scheisstag ! Der Asiate hat am Strand bestimmt drei Liter Salzwasser erbrochen. Kurz darauf kam auch der Krankenwagen. Keine Ahnung was aus ihm wurde. Angst vor Wasser hab ich nach wie vor nicht, aber gehoerig mehr Respekt.
Ich muss fuer heute schluss machen. Das Internetcafe macht zu. Ich schreib morgen weiter...
So da bin ich wieder, weiter gehts aus der staettischen Bibliothek. Zwei Stunden Internet fuer umme ! Das ist guenstig. Leider darf man auch hier keine Fotos hochladen. Da sich das mit den Internetkonditionen die naechste Zeit wohl nicht viel aendern wird werde ich das so handhaben, das ich die Billiginternetcafes nutze um regelmaessig das Neueste zu verkuenden und alle Paar Wochen ein teures Cafe aufsuche um die Fotos nach zu reichen. Billig heisst so um die zwei Dollar die Stund, teuer ( wo man Fotos hochladen kann ) heisst ca 5,50 Dollar die Stunde. Und da muss ja nicht immer sein.
Zurueck zum Bericht aus Byron Bay. Die Tagestour und die Baywatch-rettungsaktion waren dort die highlights. Den Rest der Woche sah unser Tagesrythmus wie folgt aus : So um acht steht man meist auf. Dann wird es zu hell im Auto ( Ich hab keine Gardienen, nur Sonnenschutzgitter mit Saugnaepfen hinten an den Fenstern ) und ausserdem langsam auch zu warm zum schlafen. Anschliessend wird erstmal ausgiebig gefruehstueckt.

Mit Tee, Maesli, Brot und einmal auch schon mit Pfannkuchen. Mit Abwaschen ist man dann so zwischen zehn und elf uhr morgens fertig und entscheidet dann was man den Tag ueber so tun kann. Bloss nicht zu viel bei Temperaturen von 35 bis 40 Grad im Schatten. Da bleibt einem meisten nix anderes uebrig als Abkuehlung im Meer zu suchen. Um spaetestens sechs ist die Sonne komplett untergegangen. Dann faengt man an sich uebers Abendessen gedanken zu machen. Meist laeufts auf Reis oder Nudeln mit irgendeiner auf jeden Fall selbstgemachten Sosse hinaus. Da Boris Vegetarier ist essen Alex und ich aus Faulheit extra fuer uns zu kochen die letzten Tage auch ausschliesslich fleischlos. Gibt schlimmeres. Abends geht man dann ins Kino ( "The fastest Indian" ist auf englisch sehr zu empfehlen, einfach zu verstehen ), geht noch um den Block oder trinkt noch am Auto in lustiger Runde ein Bierchen. Ja und zwischen zehn oder elf geht man dann wieder schlafen, weil man ja am Morgen um acht aufgestanden ist. Ist schon ziemlich kurz so ein tag eines Backpackers.
Montag wollten wir dann weiter nach Surfers Paradise. Die Stadt unterhalb von Brisbane heisst wirklich so. Ich hab vor Abreise wieder Zettel in Hostels aufgehangen um jemanden zum mitfahren zu finden. Und diesesmal hats auch geklappt. Eine Irlaenderein ( Ich weiss, Irin, ist ein insider ) namens Tara wollte mitfahren. Ich hab die dann montag Morgen schonmal abgeholt, bin dann mit Ihr zum Bahnhofsparkplatz zurueck um dann im Konvoi ( ?! bestimmt falsch geschrieben, ihr wisst was ich meine ) mit Boris und Alex los zu fahren. Doch da merkte Boris das irgend eine Manschette an der Hinderachse von seiner Roxi defekt war. Er ist sofort zur Werkstatt, hat aber erst ein Termin fuer naechsten Tag bekommen. Und ich konnte die Irin ja nicht wieder wegschicken nach dem Motto : Pech gahabt, ich bleibe noch ne Nacht. Da Surfers Paradise nur 80 Kilometer weit weg ist sind wir dann schon mal losgefahren.
Meine Internetzeit ist schon wieder rum. Vorher zu viele emails verschickt. Morgen gehts weiter...
Neuer Tag, neues Glueck. Weiter im Text :
Noch einen Nachtrag zu Byron Bay : Boris und ich sind einen Tag nach Nimbin gefahren. Das ist ein Hippie-ort in dem der Drogen-konsum und -verkauf zwar nicht legal ist, aber von der Polizei tolleriert wird. Boris war da schon einmal auf einer vorherigen Reise. Er wusste also was da abgeht und meinte es wird nicht lange dauern bis uns jemand was zu rauchen zum verkauf anbietet. Und wirklich. Ich hab gerade Volker eingeparkt, Boris stieg aus, hatte noch einen Fuss im Auto und schon stand so ein total verlebter Typ am Wagen und fragte : Weed, Spacekookies, Mushrooms ? ( Gras, Grasskekse, Pilze ) Boris hat die selbe Einstellung zu Drogen wie ich und wir haben erstmal noch freundlich aber dankend abgelehnt. Nimbin besteht eigentlich nur aus einer grossen Hauptstrasse mit Geschaeften. Wir haben uns da umgesehen und wurden wirklich alle 15 Meter angesprochen ob wir was kaufen moechten. Das wurde mit der Zeit so nervig das wir die ganzen Freaks hinterher nurnoch ignorierten weils zu laestig war immer was drauf au antworten. Wir haben dann noch in einem Cafe einen Eistee getrunken und sind dann schnell wieder abgehauen. Nix fuer uns.
Zeitsprung nach vorn, um die Chronologie weiter einzuhalten : In Surfers Paradise angekommen hab ich Tara bei einem Hostel abgesetzt ( nachdem ich das Spritgeld eingesackt habe ) und bin dann erstmal mit dem Fahrrad los um mich umzugucken. Und sowas hab ich echt nicht erwartet. Ich bin vom Namen "Surfers Paradise" ausgegangen. Also eine Stadt mit ziemlich vielen surfern und dementsprechenden Flair. Ab das "Dorf !" ( Ich bin mit dem Fahrrd in 35 Minuten einmal komplett drum herum ) ist eine einzige Hotelhochburg. Nur dicke Touristen die Ihr Geld in ueberteuert Boutiquen auf den Kopf hauen. Ekelhaft. Ich hab zwei Backpackerinnen am Strassenrand angequatsch ob und wenn wo sie Ihren Van nachts parken. Und sie gaben mir den Tipp 20 km zurueck zu fahren, nach Coolangatta. Und das hab ich dann auch gemacht. Ein netts kleines Kuestenoertchen wo uebernachten in Strandnaehe kein Problem ist. Boris und Alex kamen naechsten Tag nach und wir sind den Tag darauf weiter nach Norden, haben noch die Nacht kurz vor Brisbane verbracht und sind jetzt hier. Wir campen direkt am Brisbane-

river, einem grossen Fluss der durch die Stadt fliesst. Der Parkplatz liegt direkt am Fluss, zur anderen Seite verlaeuft eine ewig lange Natursteinwand. Die Brisbaner haben daraus ein Klettereldorado gemacht. Eine bis zu ca 15 Meter hohe Felswand auf einer Strecke von mehreren hundert metern. Nachts ist das ganze auch noch beleuchtet so das eigentlich immer jemand in der Wand haengt und rumklettert. Wir parken direkt davor, kochen da abends unser Essen und dinnieren anschliessend mit Blick auf Wand und Sportler. Nicht so unterhaltsam wie Kino aber sehr angenehmes Ambiente.
Da ich so langsam geldtechnisch immer klammer werde, hab ich mich gestern auf die Suche nach Arbeit gemacht. Weil das beruehmte Graet Barrier Reef in der gegend hier so langsam anfaengt hab ich die Tauchschule abgeklappert und auf einen Job als "Deckhand", so einer Art Gehilfen auf nem Tauchboot spekulliert. Doch fehlanzeige. Hier in Brisbane gibts zwar einige Tauchschulen, doch die haben hier ein ganz komisches System. Die arbeiten hier irgendwie alle zusammen und teilen sich die Boote um mit den Touris raus zu fahren. Und die Boote haben schon alle feste Crews. Und mit meiner Tauchausbildung ginge da sowieso nix. Da muesste ich schon mindestens Tauchlehrer sein, meinten die in zwei Tauchschulen zu mir. Tja, Pech gehabt. Zumindest in der Richtung. Ich bin aber mit einem der Tauchschulenbesitzer ins Gespraech gekommen und er fragte warum ich schon hier so etwas suche und nicht weiter noerdlich wo das Tauchgeschaeft boomt ? Darauf ich, nicht mehr genug Geld bis nach da oben und so weiter.., tja, wie das hier so in Australien laeuft viel dem guten Mann was fuer mich ein, hat kurz rum telefoniert und ich hab Montag einen Probearbeitstag bei einem seiner Freunde der ueberdurchschnittlich grosse Aquarien baut und jemanden sucht der anschliessend das ueberschuesssige Silikon von den Glaswaenden entfernt. Ist ne Fummelarbeit, gibt aber 15 Dollar die Stunde cash in hand. Wenn ich mich nicht doof anstelle, sagte der Mann, dann ist das Arbeit fuer mehrere Tage. Klingt bis jetzt besser als Umzugsunternehmen ! Gucken was draus wird, ich berichte anschliessend.
Uebrigens, der Alex hat mir erzaehlt, das wenn man so eine Vorwahl eines deutschen Billigtelefonanbieters vorweg waehlt, zahlt man keine zwanzig Cent pro Minute, wenn man auf Australische Handys anruft. Dass soll mit der 01075 funktionieren. Meine Nummer muesste dann also 01075-(00)61-415391710 sein. Ist aber alles ohne Gewaehr !
Ach, ich hab ein paar Urlaubsbilder von mir online gestellt :
http://magnusurlaubsbilder.blogspot.com/